Sie kommt nicht mehr nach Hause, Maria Rubinstein sitzt fest. Die Schriftstellerreise, die sie aus Neugierde betrat, wurde zum Albtraum, als sie einfach nicht mehr vom Hotel abgeholt wird. Nun ist ihre Aufenthaltsbewilligung abgelaufen und sie sitzt illegal fest. Bereut sie nun, dass sie anstelle von Leo Richter in dieser Reise eingesprungen ist?
Obwohl mich diese Geschichte nicht besonders angesprochen, ja sogar ein wenig irritiert hat, habe ich nun eine Vorstellung davon, warum Leo so eine negative Einstellung gegenüber dieser Reise hatte und sie dann auch absagte. Wenn es ihm an den vergangen Schriftstellerreisen so ergangen ist wie nun Maria, dann erklärt dies beispielsweise seine Angst davor das Flugzeug zu verpassen (Kehlmann, 2009, S.27, Zeilen 15-30).
Zurück zur eigentlichen Situation: „Sie war neugierig gewesen auf einen fernen Teil des Planeten und so hatte sie kurz entschlossen ja gesagt“, (Kehlmann, 2009, S.96). Diese spontane Entscheidung bereute Maria schnell wieder. Erst als sie sieht, dass alles gar nicht so schön ist wie versprochen, merkt sie, wie gut sie es zu Hause hat. Da hat sie ihre Neugierde in die Falle gelockt. Und wo Neugierde geschrieben ist, steht auch das Wort Gier drin. Hat sie zu viel erwartet?
Der Typ, der Maria vom Flughafen abholt, fragt sich nach meinen Spekulationen warum Maria hierhin gekommen ist, als ob es nicht Wert wäre hier zu sein. Er redet mit zusammengewürfelten englischen Wörtern auf sie ein, womit sie nichts anfangen kann. Überhaupt keinen Sinn machen seine Aussagen auch für mich. Doch was wenn der Audruck „hobble“ horrible bedeuten würde? Wollte er sie warnen? Er kann bestimmt nicht verstehen, warum sie nach Usbekistan –oder wo auch immer wir uns befinden, das Land wird seltsamerweise nie erwähnt- kommt, wenn sie genauso im schönen Deutschland sein könnte.
„Diese vorzügliche Delegation der besten Reisejournalisten der Welt sei nun also von der Regierung des Vaterlandes eingeladen worden, um allen Nationen von dessen Schönheit zu berichten. An nichts werde es ihnen fehlen, jeder Wunsch werde erfüllt“, (Kehlmann, 2009, S. 99). Wieso wird hier so propagiert? Ihre Reisegruppe bestand weder aus den besten Reisejournalisten der Welt, noch wurde ihnen die Schönheit des bereisten Landes gezeigt, noch konnte man diese Reise wunschlos geniessen. In Wahrheit bestand die Reisegruppe aus unerfahrenen Leuten, die jegliche Reisejournalisten ersetzten-anscheinend haben alle abgesagt, aus Erfahrung?-, gezeigt wurden ihnen unter anderem eine Fabrik mit leeren Fliessbändern und der Reisealltag war eintönig- es gab zu jeder Mahlzeit Schweinebraten mit Mayonnaise. Möglicherweise befinden wir uns in einem extrem kommunistischen Land, was erklären würde, warum das Buchcover von Marias Krimi nach den Vorstellungen eines russischen Verlages abgeändert wurden- anscheinend erschien ihnen das Original nicht angemessen-, die Fliessbänder wären leer, weil nur wenige verschiedene Produkte produziert werden dürften, und es gäbe aus demselben Grund auch immer Schweinebraten mit Mayonnaise. Naja, ich hoffe das ist nicht zu weit hergeholt. Jedenfalls finde ich, dass die Reisegruppe als besondere Gäste nicht sonderlich angemessen behandelt wurden.
Maria ist eine Krimi- Autorin, worin ich eine höhere Stellung sehe. In ihrer Situation hat ihr das Berühmtsein aber nichts genutzt. Man hat sie nicht erkannt und in der nächsten Buchhandlung, wo ihr Buch verkauft wurde, stellte sich heraus, dass das Buchcover geändert worden und das Foto des Autors ist nicht mehr in ihrem Buch vorhanden war. So war es schwierig, sich Hilfe zu holen. Das Kommunikationsproblem bestand aber schon darin, dass in diesem östlichen Land- Usbekistan oder Turkmenistan- niemand fliessend Englisch sprechen konnte, geschweige denn von Französisch, Deutsch oder Altgriechisch. Mir ist bewusst, dass das Funknetz schlecht war und Maria nur einen Akku dabeihatte, die Polizei vor Ort stur die Landesregeln befolgen und allgemein die Kommunikation auf Grund der schlechten Möglichkeiten nicht sicher ist. Trotzdem fragt es mich, warum Maria noch nicht gesucht worden ist. Wurde sie nur geliebt wegen des Ruhms zu Hause und jetzt ist es jedem egal?