Mollwitz, auch bekannt als mollwitt (das ist sein Username), arbeitet in einem
Mobiltelefongeschäft und ist ständig im Internet unterwegs. Auf diversen Foren
gibt er seine Kommentare ab und ist in jegliche Diskussionen verwickelt. Auf
einer Geschäftsreise trifft er auf Leo Richter und versucht nun ihm Eindruck zu
machen, denn er weiss, wer ihn trifft, kann später in einer seiner Stories
auftauchen. Nicht wegen Leo, aber wegen Lara, einer Figur von Leo und Mollwitz' Traumfrau, brennt
er darauf in einer Geschichte seiner aufzutauchen.
Ich möchte einmal etwas anders vorgehen und Textstellen zitieren, damit
ihr einen genauen Einblick bekommt, wie verblüffend natürlich diese bisher
sieben Geschichten miteinander verknüpft wurden.
Ich arbeite in der Zentrale einer Mobiltelefongesellschaft
[...] Unter der Woche trage ich Krawatte, Officezwang, der
Geldverdienenmist, macht ihr ja auch. Muss sein, damit man seinen Lifesense
realisieren kann (Kehlmann, 2009, S. 134).
Die
Tatsache, dass mollwitt in einem Mobiltelefongeschäft arbeitet und er auch
nicht motiviert ist zu arbeiten- das bringt er deutlich genug zum Ausdruck, er
nennt es Officezwang und Geldverdienenmist- wage ich mich zu behaupten, dass
der Verbindungsfehler der Telefonnummern von Ebling und Ralf Tanner in seiner
Abteilung oder sogar bei ihm persönlich passiert ist.
Bugclap4 meinte, dass da nichts mehr läuft zwischen ihm
und Carla Mirelli, während icu_lop dachte, da ist noch was zu retten. [...] Ralf Tanner und Carla Mirelli, schrieb ich, das wird nie wieder was, der hat doch Müllmist
im Hirn und ist hässlich wie Viech, das könnt ihr vergessen! (Kehlmann, 2009,
S.135/137).
Diesen
Post hat Ralf Tanner gesehen, als er im Internet Berichte und Kommentare über
sich gesucht, korrigiert und übersetzt hat. Ralf machte sich viele Gedanken
darüber, warum einer so was schreiben könnte, und nun haben wir den Kommentator
persönlich kennengelernt. Und um auf Ralfs Frage zurückzukommen: Ich kann mir
vorstellen, dass Mollwitz diesen Kommentar einerseits aus Eifersucht
geschrieben hat -weil er selber kein schöner Mann und kein Frauenschwarm ist-
andererseits ist er im Internet auch Anonym.
Werde eins mit den Dingen, eins mit dem Einswerden, eins
mit deinem Einssein mit ihnen, auch eins mit deinem Zorn, und sollte die
Atombombe fallen, dann werde eins mit der Atombombe./ [...] ein paar
Bücher: Platon, Hegel, Baghavdgita. Braucht keiner, steht doch alles in Was uns
die Denker sagen von Auristos Blancos, aber viel klarer und leichter zu
überziehen. (Kehlmann, 2009, S. 140/155).
Nur
die Story von der alten Lady, die in die Schweiz fährt, um sie niedergiften zu
lassen, hab ich gar nicht gemocht, da war nichts von ihm selbst drin, und der
Schluss hat gar keinen Sinn gehabt, keine Ahnung, wer den überziehen soll, ich
jedenfalls nicht (Kehlmann, 2009, S.144).
Hiermit ist wohl die Geschichte der Rosalie gemeint.
Um ehrlich zu sein, fand ich die auch ziemlich seltsam. Was mich aber stutzig
macht ist die Aussage „da war nichts von ihm selbst drin“. Er kam in der Geschichte
als Erzähler und Autor vor. Er hat immer wieder aufgegriffen, wie viel Macht er
über seine Figur, die Rosalie, hat. Das war doch nicht zu übersehen? Oder war Mollwitz' Aussage in einem übertragenen Sinn gemeint?
[...] als seine
Frau ihm den Stiefel gegeben hatte, kamen die drei Storys, wo Lara ihren
Husband verlässt, Der Mond und die Freiheit, Herr Müller und die Ewigkeit, und
Titel von der dritten hab ich vergessen. Also: Was ihm zustösst, das passiert
dann ihr, was er macht, macht später sie, und wer ihn trifft, kann in einer
Story auftauchen. In einem Literaturhausforum nannte das einer
autobiographischen Narzissmus. [...] Leo verwendete Dinge, die er sah? Typen, die er traf? Events, die
passierten? Ja mich konnte er verwenden. Nichts dagegen! [...] In der
gleichen Welt wie Lara (Kehlmann, 2009, S.143/146/147).
Mollwitz muss immer auf dem
neusten Stand sein, was die Berühmtheiten, die in seinem Interesse stehen,
betrifft. Das kommt ihm nun gut: Natürlich weiss er deshalb, dass Leo Richter
in seinen Geschichten Menschen aus seinem Umfeld auftauchen lässt. Als Mollwitz auf Leo Richter trifft, versucht er Leo aufzufallen und in seine
Geschichte zu kommen. Wieso? Er redet immer wieder von Lara Gaspard, welche er verehrt.
Nun ist sie jedoch auch nur eine von Leos Figuren. Als weitere Figur hätte er
wenigstens eine Chance seiner Traumfrau in einer Geschichte zu begegnen, wenn
er schon in der Realität keinen Erfolg bei Frauen hat.
Ihr Buch! Was glauben Sie, wo ichs gelesen hab? [...] Zwischen
München und Brüssel! Speisewagen! Als ich ankam, war ich fertig! [...] Wie kommen
Sie auf Ihre Ideen? In der Badewanne (Kehlmann, 2009, S.144).
Hat sich Leo nicht genau über diese Leute aufgeregt, welche alle dieselben Fragen stellen?
Mollwitt kann also kaum Eindruck auf Leo gemacht haben, denn er war mit seinen
Fragen nur einer von vielen. Was ich hier gleich noch als Anekdote aufnehme,
ist die Tatsache, das –zumindest im Hotel aus diesem Kapitel- die Badewannen
als so eng beschrieben werden, dass man auf ein Bad verzichten könnte.
Nun, dieser Beitrag ist etwas länger geworden.
Zugegeben nur dank all diesen zitierten Textstellen. Doch ich denke, es ist mir
gelungen, dir aufzuzeigen, wie dezent und doch wie klar ersichtlich die Geschichten
ineinander verstrickt sind.